Hallo Reader
Die Vorweihnachtszeit ist jedes Jahr eine Zeit der Widersprüche. Wir nähern uns dem Höhepunkt der dunklen Jahreszeit. Für viele bedeutet das morgens das Haus im Dunklen zu verlassen und erst mit Eintreten der Dunkelheit wieder nach Hause zu kommen. Ich erinnere mich an meine Studienzeit, in der ich im Winter morgens im Dunkeln aus dem Haus ging, die meiste Zeit in fensterlosen Hörsäälen verbrachte und abends erst wieder im Dunkeln nach Hause radelte. Tageslicht sah ich oft nur auf dem Weg zwischen zwei Veranstaltungen.
Vielleicht spürst auch Du wie mit dem wenigen Tageslicht, das uns gerade bleibt, Du Dich weniger energiegeladen fühlst. Während im Sommer mit seinem vielen Tageslicht sich nachmittags um fünf Uhr noch wie mitten am Tag anfühlt, fühlt sich jetzt vier Uhr nachmittags schon wie spät am abend an. Auch als Menschen tanken wir Sonnenenergie und die steht uns derzeit nicht sonderlich viel zur Verfügung. Unser Körper sehnt sich nach Ruhe und die Seele nach besinnlicher Einkehr. Die Traditionen des Winters, sei es Weihnachten oder die Rauhnächte folgen diesem Rhythmus
Gleichzeitig ist die Vorweihnachtszeit eine Hochzeit des materiellen Konsums, die Zeit, in der der Einzelhandel den Umsatz macht, von den er lebt. Wir werden online und aus Schaufenstern mit Angeboten überhäuft und zum kaufen aufgerufen, oft mit kurzfristigen Angeboten, wie zum inzwischen auch bei uns etablierten Black Friday. In dieser allgemeinen Kaufrauschatmosphäre bedarf es bewußtem Innehalten um nicht besinnungslos mitgerissen zu werden.
So wird die Zeit vor Weihnachten schnell zu einer Challenge, die von außen an uns herangetragen wird. Wir können uns von diese Atmosphere drängen lassen oder aber bewußt antworten "Challenge accepted" und sie mit Freude als Trainingsfeld nutzen. So kann der Besuch des Weihnachtsmarktes ein besinnungsloses Kaufen und Betrinken oder eine genußvolle Auszeit mit Freunden und inspirierendem Bummeln sein. Wir können uns am Wochenende durch überfüllte Geschäfte hetzen lassen oder raus in die Natur Kraft tanken gehen.
Mein Vorschlag an Dich in der aktuellen Jahreszeit: Nimm Dir immer wieder einen Moment Zeit zum Innehalten. Das können fünf tiefe Atemzüge, eine Tasse Tee oder eine Runde an der frischen Luft sein. Spür in Dich hinein. Nach was ist Dir gerade? Willst Du Dich ins Getümmel stürzen oder in Ruhe das Buch lesen, das schon lange neben Deinem Bett liegt? Ist Dir nach Plätzchen backen, nach basteln mit Deinen Kindern oder hast Du Lust eine Ausstellung oder das Theater zu besuchen? Vielleicht ist Dir auch in all dem Trubel nach einem Wellnesstag in der Sauna oder einer entspannenden Massage. Nimm Dir auf jeden Fall genügend Zeit für Dich.